Breaking Bad - Projekt ab Klasse 10

Breaking Bad – was ist dran an der Chemie des Walter White?

Die Fernsehserie "Breaking Bad"

Im Jahr 2008 wurde die amerikanische Serie „Breaking Bad“ erstmals im Fernsehen ausgestrahlt, in der ein an Lungenkrebs erkrankter Chemielehrer versucht, durch Herstellung und Verkauf der Droge Crystal Meth Geld zu verdienen. Die Serie ist noch immer eine der erfolgreichsten Fernsehproduktionen überhaupt. Sie wurde vielfach ausgezeichnet und von Kritikern gelobt.1 Es ist ein besonderer Verdienst dieser Serie, dass sie ein neues, breites Interesse an der Chemie geweckt hat. Die Hauptperson Walter White versteht es, sich mit Hilfe seiner Chemiekenntnisse aus den schwierigsten Situationen zu retten. Sein Motto lautet: „Chemistry must be respected“. Sein chemisches Wissen, das Walter White zu einem herausragenden Wissenschaftler hat werden lassen, bahnt ihm auch den Weg zu seiner düsteren Seite, dem „Breaking Bad“. Diese Charakterentwicklung, bei der sich die zerstörerische Wirkung von Drogen auf alle Bereiche des menschlichen Daseins zeigt, übt eine starke Faszination auf das Publikum aus, wobei ein sehr feiner, schwarzer Humor der ernsthaften Thematik eine leichte Note verleiht. Rund 10,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sahen allein in den USA das Finale der fünften Staffel im Jahr 2013. Ein Rekord, der bis heute nicht übertrumpft werden konnte. In Deutschland wurde die Serie auf Arte ausgestrahlt und kann heute auf allen Streaming Diensten oder auf DVD erworben werden.

Motivation durch Zugang über "Breaking Bad"

Ich habe immer wieder im regulären Chemieunterricht Bilder und Sequenzen der Serie eingeflochten und dabei festgestellt, dass dieser etwas andere Zugang zu chemischen Fragestellungen ungeheuer motivierend für die Schülerinnen und Schüler ist. Als Beispiel sei die Herstellung eines äußerst reaktiven Stoffgemisches aus Kinderspielzeug genannt. Dieses sogenannte Thermitgemisch nutzt Walter White, um eine Eisentür zu schmelzen. In einer anderen Folge scheitert die Beseitigung eines Leichnams durch Säure, da letztere zuerst die Badewanne zersetzt.

Dreitägiges Projekt zu "Breaking Bad"

Die Beschäftigung mit den chemischen Aspekten dieser Serie sowie die positive Reaktion der Schülerinnen und Schüler auf die Einbettung von Filmsequenzen in konkrete Unterrichtssituationen schufen den Anlass, ein dreitägiges Projekt zu entwickeln, das bereits 2016 zum ersten Mal erfolgreich erprobt wurde.

Teil 1: Chemische Aspekte der Serie

Im ersten Teil des Projektes werden chemische Aspekte der Serie im Lichte unserer Schulchemie beleuchtet und kritisch gegenübergestellt. So gibt z. B. Walter White roten Phosphor in heißes Wasser, wobei in der Serie begleitet von einer Stichflamme angeblich in großen Mengen eine giftige Phosphorverbindung entsteht, die ihn vor zwei Verbrechern rettet. Diese Reaktion wird ebenso unter die Lupe genommen wie die ätzende Wirkung von Säuren und Basen, die Thermitreaktion, Lichtreaktionen von Alkali- und Erdalkalimetallverbindungen, die toxische Wirkung bestimmter chemischer Substanzen, Sprengstoffe und die Spiegelbildisomerie organischer Moleküle, je nach Kenntnisstand der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Als Walter White und sein Assistent Jesse Pinkman in der Wüste zu sterben drohen, weil ihre Autobatterie leer ist und ihr Trinkwasser zur Neige geht, retten sie erneut Walters Chemiekenntnisse. Er konstruiert eine Batterie aus Alltagsprodukten, mit der er den Motor zünden kann. Diese Folge der Serie nutzen wir, um selbst aus Alltagsgegenständen ein galvanisches Element, z. B. die Zink-Luft-Batterie, zu entwickeln. Die entsprechenden Filmsequenzen werden in der englischen Originalversion geschaut, was den Schülerinnen und Schülern nach einer kurzen Eingewöhnungsphase keine Probleme bereitet. Im Gegenteil, die Schülerinnen und Schüler empfinden die englische Version als wesentlich authentischer.

Teil 2: Bathing Bad oder Rocky Candy

Natürlich möchten wir nach dem Projekt im Sinne der Produktorientierung auch etwas „Schönes“ in der Hand halten. Hierzu wird z. B. die blaue Süßigkeit „Rock Candy“ hergestellt, welche in der Serie tatsächlich als Requisite für die von Walter White produzierte blaue Droge Crystal Meth dient.
Als weitere, ähnlich aussehende „Fanartikel“ bietet sich die Herstellung von blauem Badesalz und blauem Körperpeeling an. Gleichzeitig erkennen die Schülerinnen und Schüler, wie kostengünstig gesunde Kosmetika produziert werden können.

Teil 3: Drogenprävention

Der dritte Teil des Projektes dient in erster Linie der Drogenprävention. So werden durch die gemeinsame Reflexion der Charaktere und ihrer Entwicklung die zerstörerischen Folgen des Kontakts zur Droge für die Gesundheit und die sozialen Beziehungen der Beteiligten deutlich. Auch die letzten Sympathien für den krebskranken Lehrer, der zunächst zur Identifikationsfigur werden könnte, gehen durch sein immer drastischer und menschenverachtender werdendes Handeln verloren. Das „Breaking Bad“ ist eine Einbahnstraße und zieht auch Unbeteiligte in den Abgrund. Insofern ist die Serie m.E. ein starkes Plädoyer gegen Drogen.

Die Hauptkritik des Regisseurs Vince Gilligan an seinem eigenen Werk besteht vor allem darin, dass er Jesse Pinkman aus publikumswirksamen Gründen nach Vorgabe der Produktionsfirma auch nach jahrelangem Meth Konsum äußerlich attraktiv aussehen lassen musste. Bei der Darstellung der anderen drogenabhängigen Figuren konnte Gilligan freier agieren. So werden in einer Folge ein vom Meth-Konsum drastisch gezeichnetes Pärchen und ihr völlig verwahrlostes Kind gezeigt.
In den Tagesthemen wird immer wieder berichtet, wie sehr Crystal Meth auch in Deutschland z.B. an Schulen verbreitet ist. Dieses Problem tritt zurzeit vor allem in ostdeutschen Bundesländern auf. Es ist jedoch zu befürchten, dass der Verkauf dieser Droge immer weiter um sich greift.
Es ist also höchste Zeit, diese Droge im Rahmen der Drogenprävention zu betrachten, auch wenn die Schülerinnen und Schüler Gefahren für sich eher in der Internetsucht, in Essstörungen oder im Konsum von Alkohol und Nikotin sehen.
Ich habe mich zu diesem Thema bereits vor zwei Jahren von dem Drogenberater der Stadt Ettlingen, Herrn Ingo Rutkowski, beraten lassen und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

 

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1 Die Serie wurde 2014 mit fünf Emmies und 2 Golden Globes ausgezeichnet.

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