3 Preisträgerinnen beim Landeswettbewerb

Seit 30 Jahren veranstaltet das Kultusministerium Baden-Württemberg den Landeswettbewerb „Deutsche Sprache und Literatur“. Dabei werden besonders interessierte und begabte Schülerinnen und Schüler der Oberstufe dazu angeregt, sich intensiv mit ihrer Muttersprache zu beschäftigen. Etwa, indem sie sich mit Werken der deutschen Literatur oder den Erscheinungsformen der heutigen Literatur auseinandersetzen oder indem sie eigene Wahrnehmungen, Beobachtungen, Reflexionen und Phantasien sprachlich gestalten.

Letzteres sehr eindrucksvoll gelungen ist Katharina Richter aus der Jahrgangsstufe 12 sowie Emma-Lena Sester und Franka Busse aus der Jahrgangsstufe 11 des AMG. Im Rahmen des Unterrichtes im Kurs „Literatur und Theater“ reichten die beiden Schülerinnen im Januar ihre Arbeiten ein und überzeugten die Jury des Landeswettbewerbes mit ihren Texten jeweils vollauf.

Emma-Lena Sester schrieb zum Thema „Bilder einer Ausstellung – Schreiben Sie fiktional zu realen Kunstwerken“ ihren Text „Gruß aus Wien“ Zur Grundlage nahm sie ein Selbstporträt des Malers Egon Schiele aus dem Jahre 1912. Der Text beschreibt eindringlich die Gedanken des Malers, der bei einem nächtlichen Spaziergang Erinnerungsfetzen und Bruchstücke seiner gescheiterten Beziehung Revue passieren lässt. Geschickt vermischen sich dabei der Ausdruck der gewählten Zeichnung, biographische Elemente Schieles und die Fiktion einer gescheiterten Liebe. Der genau beobachtete, präzise formulierte und wirkungsstarke Text spielt souverän mit einem raffinierten Erzählverfahren und einer durchdachten Textkonstruktion und entwirft eine Situation, die den Leser in Schieles Wiener Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts mitnimmt.

Franka Busse wählte die auf das Hölderlin-Zitat „Die Natur verschließt die Arme, und ich stehe, wie ein Fremdling, vor ihr, und verstehe sie nicht“ bezogene Aufgabe „Gestalten Sie eine Situation“. Ihr Text „und dann wie aus dem Nichts“ über einen japanischen Greis, der auf dem Friedhof seiner vor Jahren durch eine Naturkatastrophe getöteten Tochter nachtrauert, entführt die Leser gekonnt in die exotische Fremde und lässt gleichzeitig menschliches Leid ganz nah und anrührend werden. Dabei gelingt es der Autorin, das Naturthema und die Situation des alten Mannes in einer Weise aufzugreifen, die durch gekonnte Beschreibung, genaues Hinsehen und großes Einfühlungsvermögen besticht.

Der Beitrag "Das Grunzen" von Katharina Richter bezieht sich auch auf das Hölderlin-Zitat. Er handelt skurrilerweise von einem Wildschwein, das ein Bett okkupiert und zunehmend als Bedrohung wahrgenommen wird. Ein sehr origineller, parabelhafter Text.

Für ihre herausragenden Arbeiten erhalten Emma-Lena Sester, Franka Busse und Katharina Richter einerseits natürlich die Preisträgerurkunden und Buchpreise des Landeswettbewerbs. Andererseits ist ihnen mit dem Gewinn des hochklassigen Wettbewerbs der Zugang zum Bewerbungsverfahren für die „Studienstiftung des Deutschen Volkes“ möglich. Die Eingangsklausur hierfür erwartet die beiden Schülerinnen des AMG dann auch schon im September. Das traditionelle Seminar im Kloster Schöntal gemeinsam mit den anderen Preisträgerinnen und Preisträgern muss dieses Jahr leider entfallen.

Das ganze Albertus-Magnus-Gymnasium freut sich mit Franka Busse und Emma-Lena Sester über die hohe Auszeichnung und natürlich auch auf weitere Texte von ihnen.

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