Die verlorenen Gegangenen

Freitagabend, um genau zu sein, 19:05 Uhr, in der bitterkalten, klaren Nacht des 14. Januar, kam es zu merkwürdigen Vorkommnissen in der Mittelkerker Straße 1-5. Im sonst nachts so ruhigen Schulgebäude des Albertus-Magnus-Gymnasiums, welches friedlich im idyllischen Horbachpark liegt, leuchteten plötzlich immer wieder verschiedene Lichter in den insgesamt drei Stockwerken des Schulgebäudes auf. Wurde etwa eingebrochen oder konnten die langjährigen Vermutungen, dass es im Schulhaus spuke, endlich bestätigt werden? Weder, noch. Und sicherlich ist das auch gut so.

Aber was ist dann in der sagenumwoben Nacht des 14. Januar passiert? Die Lösung findet sich wohl beim diesjährigen Abiturjahrgang, welcher noch einmal, bevor es mit dem Ernst des Lebens beginnt, einen Ausflug zurück in die gute alte Zeit der fünften Klasse machen wollte. Zwölf verloren Gegangene trafen sich, um die Schwerpunktlektüre „Der Verlorene“ zu lesen. Es stand also keine wilde Partynacht, sondern eine gemütliche Lesenacht auf dem Plan.

Richtig gehört: eine Lesenacht. Nun könnte man eventuell vermuten, die Begeisterung von Schüler*innen habe sich in womöglich Grenzen gehalten, einen Abend an einem Wochenende in der Schule zu verbringen, zu lesen und vorgelesen zu bekommen, doch weit gefehlt. Der Leistungsfachkurs Deutsch war wieder einmal grenzenlos motiviert, als Herr Frank mit Büchern, Pizza und Spielen in die Heiligtümer des Theaterraums gelockt hatte. Beim auf das Lesen folgenden „Werwolfspiel“ fürchteten sich alle in wohliger Erinnerung an frühere Zeiten ein wenig zu Tode. Für Snacks und ausreichend Essen war gesorgt und dank Amelie gab es sogar extravagantes, hausgemachtes Tiramisu, das natürlich mit größtem Vergnügen genossen wurde. Nach Pantomime-, Zeichen- und Erkläreinlagen und dem allseits gewünschten „Versteckspiel“ im dunklen Schulhaus fanden wir Schüler schweren Herzens den Weg durch das düstere Gebäude unserer Schule nach Hause und fühlten uns wirklich ein bisschen wie damals als Fünftklässler*innen.

Ein weiteres Highlight des diesjährigen Deutschkurses gab es dann gleich nach dem Wochenende am Montagabend. Hier entschieden sich sogar beide Deutschkurse dazu, gemeinsam mit Herrn Frank in die Landesbühne in Bruchsal zu fahren und dort noch einmal „Der Verlorene“, nun aber als Theaterstück, anzuschauen. Natürlich einerseits wegen der virtuosen Darbietung des Protagonisten im Theater, der uns zeigte, wie gutes Theater, gespielt von einem einzigen Verlorenen, aussehen kann und anderseits wegen der bewegenden Nachkriegsgeschichte eines kleinen Jungen und seiner Familie, welche einen guten Einblick in das Leben und Familienverhältnisse der 50er Jahre bot, gab es auf der Rückfahrt und in den Folgestunden viel zu diskutieren und freirhythmisch zu dichten:

Die verlorenen zwölf Deutsch – LKler

Wer fährt so spät durch Nacht und Wind
Ins Ettlinger Schulhaus ganz geschwind?
Es ist der Deutschkurs Herrn Franks wohl wahr,
Kurz vorm Abitur, im letzten Schuljahr!

Durch die dunklen Gänge ging’s zu später Stunde
In 1-27 zur zwölfköpfigen Runde.
Hier lachten, spielten und lasen wir fröhlich
Mit bedeckten Gesichtern und Abstand natöhlich.

Die Messer war’n stumpf, der Werwolf gefunden,
Nur noch das Schulhaus im Dunkeln zu erkunden.
Versteckt, verloren und verbrannt
Die Lektüre war spannend, der Abend amüsant!

"Den Verlorenen", den wir lasen in späten Abendstunden,
Hatten wir Montagabend in der Landesbühne Bruchsals wieder gefunden!
Mit dem anderen Deutsch LK folgten wir gespannt
Dem Theater, dem Drehbuch aus U. Treichels Hand.

Darsteller Thilo Langer spielte seine Rolle sehr gut,
Gefallen hat es uns allen absolut!
Das Stück gelungen, der Abend interessant,
machten wir uns auf zum Heimweg allerhand.

Zuletzt an dieser Stelle vielen, vielen Dank

An unseren Organisator und Deutschlehrer, Herrn Frank!

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