Umgang mit Endlichkeit

Hospiz-Mitarbeiterin gibt Zehntklässlern Einblick in die Sterbebegleitung

Wie begleitet man Menschen in ihrer letzten Lebensphase? Mit dieser Frage setzten sich die Ethikkurse der Klassenstufe 10 im Rahmen der Unterrichtseinheit „Umgang mit Endlichkeit“ auseinander. Zu Gast waren Stefanie Gleich-Ringwald und Petra Baader, Palliativpflegekräfte vom Ettlinger Hospiz Arista, die den Schülerinnen und Schülern einen eindrucksvollen Einblick in ihre Arbeit gaben.

Frau Gleich-Ringwald berichtete anschaulich davon, wie wichtig es ist, sterbende Menschen einfühlsam zu begleiten und ihnen ein würdevolles Lebensende zu ermöglichen. Die SchülerInnen erfuhren, dass Hospizarbeit weit über die medizinische Versorgung hinausgeht: Sie umfasst Zeit für Gespräche – auch mit den Angehörigen, emotionale Unterstützung und das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse der Gäste. So werden – wenn möglich – auch ganz persönliche Herzenswünsche erfüllt, etwa ein letzter Friseurbesuch oder die Möglichkeit, den eigenen Hund mit ins Hospiz zu bringen. Solche scheinbar kleinen Gesten können für die Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität bedeuten.

Besonders eindrucksvoll schilderten die Palliativpflegekräfte, dass die Begleitung bedeutet, Menschen mit all ihren Gefühlen anzunehmen. Dazu gehören Angst und Trauer ebenso wie Wut, Verzweiflung, aber auch Dankbarkeit, Freude und das bewusste Genießen der verbleibenden Lebenszeit. Diese Gefühle auszuhalten und den Menschen mit Offenheit und Respekt zu begegnen, sei ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit. Sie betonte außerdem, dass ein Hospiz keineswegs ein Ort sei, an dem ausschließlich Trauer herrsche. Lachen, Freude und schöne gemeinsame Momente gehören zu allen Lebensphasen des Menschen dazu, auch zur letzten.

Mithilfe von Gefühlskarten und verschiedenen Gegenständen eröffnete Frau Gleich-Ringwald einen niedrigschwelligen Zugang zu Gesprächen über Abschied, Tod, persönliche Gefühle und Berührungsängste. So entstand eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre, in der die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken und Fragen einbringen konnten. Dabei wurde auch das Thema assistierter Suizid angesprochen. Frau Gleich-Ringwald erklärte, dass es im Hospiz um das Gegenteil gehe: Ziel sei es, das Leben bis zum Schluss so angenehm, schmerzarm und selbstbestimmt wie möglich zu gestalten. Im Mittelpunkt stehe die würdevolle Begleitung der Menschen – nicht die Verkürzung ihres Lebens.

Der Besuch hinterließ bei vielen Schülerinnen und Schülern einen bleibenden Eindruck und regte sie dazu an, über Fragen eines guten Lebens und Sterbens sowie den Umgang mit Verlust, Endlichkeit und menschlicher Würde nachzudenken.

Vielen Dank an die Palliativfachkräfte Frau Baader und Frau Gleich-Ringwald für das einfühlsame und offene Gespräch über ihre Arbeit.