Visions-AG

Die Visions-AG kam am 21.05.2026 bereits zum vierten Mal in diesem Schuljahr zusammen. Das Treffen stand unter dem Leitgedanken „Selbstregulation und Gemeinschaftsgefühl“.

Ausgehend von einem Artikel, der Selbstregulation als „neue Superpower“ beschreibt, beschäftigten sich die Teilnehmenden zunächst mit drei grundlegenden menschlichen Bedürfnissen: Freiheit, Sicherheit und Sinn. Sind diese Bedürfnisse erfüllt, entsteht ein Zustand der Regulation - Menschen fühlen sich gelassen, entspannt und handlungsfähig.

Um diese Zusammenhänge greifbar zu machen, arbeitete die Gruppe mit einem großen blauen Dreieck auf dem Boden, dessen Ecken mit den Begriffen Freiheit, Sicherheit und Sinn beschriftet waren. Mithilfe von Kärtchen ordneten die Teilnehmenden verschiedene Situationen aus dem Schulalltag und dem persönlichen Erleben innerhalb dieses Dreiecks ein. So wurde sichtbar, welche Bedürfnisse beispielsweise durch Ferien, die Beziehung zu einer wichtigen Person im Schulkontext, eine selbst gewählte AG oder den letzten Schultag vor den Ferien besonders angesprochen werden und wie sich diese Situationen emotional anfühlen.

Ferien eröffnen einen großen Gestaltungsraum, wodurch vor allem das Bedürfnis nach Freiheit zur Regulation beiträgt. Die Beziehung zu einer bedeutenden Person im Schulalltag wurde dagegen überwiegend als sicher und sinnstiftend wahrgenommen. Besonders differenziert betrachtete die Gruppe den letzten Schultag vor den Ferien. Hier zeigte sich erstmals deutlich, dass an die Stelle der drei Basisbedürfnisse auch negative Emotionen treten können.

Im nächsten Schritt richtete die Gruppe den Blick darauf, welche Emotionen entstehen, wenn die drei Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind. Fehlt Freiheit, entsteht häufig Wut. Wird Sicherheit vermisst, tritt Angst in den Vordergrund. Und wenn Sinn verloren geht, empfinden Menschen Trauer.

Dann wurde es still im Raum. Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie der Schulleiter setzten sich mit der Frage auseinander: Was macht mich eigentlich innerhalb oder außerhalb des Schulkontextes wütend, ängstlich oder traurig? Die Antworten wurden anonym auf Zetteln festgehalten und außerhalb des Dreiecks ausgelegt.

Die Vielfalt und Offenheit der Aussagen machte deutlich, wie unterschiedlich Menschen ähnliche Situationen erleben. Genannt wurden unter anderem Erfahrungen von Ausgrenzung, Egoismus oder Überforderung, aber auch die Angst vor neuen Lebensabschnitten oder das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Gerade diese ehrlichen Einblicke schufen eine Atmosphäre des gegenseitigen Verständnisses und der gemeinsamen Reflexion.

Ein besonderer Höhepunkt des Treffens war die Begegnung auf Augenhöhe zwischen Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie der Schulleitung. Gemeinsam stellten sie sich den Situationen, in denen Wut, Angst oder Trauer dazu führen können, dass Menschen aus ihrer inneren Regulation geraten. Im offenen Austausch wurde geübt, diesen Emotionen konstruktiv und orientiert an drei zentralen Faktoren psychologischen Wohlbefindens zu begegnen. Wo Angst statt Sicherheit entsteht, braucht es positive Beziehungen. Wo Wut aufkommt, helfen Gestaltungsfreiräume und Mitbestimmung. Und wo Trauer spürbar wird, gewinnt das Erleben von Sinn und Bedeutsamkeit an Wichtigkeit.

Besonders eindrücklich formulierte eine Lehrkraft die Erkenntnis, wie entscheidend die Beziehungsebene für ein gelingendes Miteinander ist. Erst wenn Menschen sich gesehen und verbunden fühlen, kann wieder ein gelassener Zustand der Regulation entstehen – und damit die Grundlage für ein gutes schulisches Zusammenleben.

Für uns als Visions-AG war es besonders wichtig, über zukünftige Gemeinschaftsaktionen nachzudenken, die ein echtes konstruktives Miteinander fördern. Dabei gaben unsere Zwölftklässlerinnen und Zwölftklässler wertvolle Impulse aus eigener Erfahrung:
„Einfaches Teambuilding mit wenig Gehirnschmalz, das zuerst jeder doof findet und am Ende echt zusammenschweißt – am besten jahrgangsübergreifend.“
Ein weiterer Gedanke lautete: „Auf den Gängen wollen wir einander bekannt sein, weil wir schon einmal gemeinsam etwas erlebt haben.“

Deutlich wurde dabei, wie wichtig gemeinsame Erlebnisse und feste Strukturen sind, die Begegnungen über die Jahrgänge hinweg ermöglichen. Die Sitzung endete mit dem gemeinsamen Wunsch, solche Räume der Begegnung künftig noch bewusster in unserer Schule zu verankern.