Begegnungen, Legenden und gelebtes Europa in Tarragona
Am frühen Morgen des 14. Januar 2026, kurz nach 5 Uhr, begann für unsere Erasmus+-Gruppe das große Abenteuer Spanien. Noch im Dunkeln versammelten sich alle am Schulparkplatz – müde, aber voller Vorfreude. Von dort aus führte uns unsere Reise zunächst zum Flughafen Stuttgart. Trotz einer etwa einstündigen Verspätung ließen wir uns die Stimmung nicht nehmen und landeten schließlich am Nachmittag in Barcelona.
Schon auf der anschließenden Busfahrt Richtung Els Pallaresos zeigte sich Spanien von seiner schönsten Seite: Sonnenschein, milde Temperaturen und eine mediterrane Landschaft, die uns sofort willkommen hieß. Am Institut Els Pallaresos angekommen, wurden wir von den spanischen Schüler*innen und Lehrkräften herzlich empfangen – mit einem liebevoll vorbereiteten Picknick, vielen Umarmungen und strahlenden Gesichtern. Bekannte Begegnungen aus vorherigen Austauschen mischten sich mit neuen Bekanntschaften, erste Gespräche wurden geführt, erstes Lachen geteilt.
Die Schulleiterin Noemí begrüßte uns anschließend mit einer warmherzigen Rede, in der sie die gemeinsame Arbeit würdigte und die Schüler:innen dazu ermutigte, diese Reise als etwas zu begreifen, das weit über den Schulalltag hinausreicht: als Erfahrung, die bleibt, prägt und verbindet. Nach kleinen Snacks und ersten Austauschmomenten machten sich die Schüler:innen mit ihren Austauschpartner*innen auf den Weg in die Gastfamilien, um sich von der Anreise zu erholen. Auch wir Lehrkräfte nutzten den Abend für eine erste Besprechung und die Planung der kommenden Tage, bevor wir uns in unsere Unterkunft zurückzogen und den ereignisreichen Tag ruhig ausklingen ließen.
Kreatives Arbeiten und lebendige Traditionen
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der gemeinsamen Projektarbeit. In der Schule angekommen, starteten wir mit Icebreaker-Aktivitäten, die die internationale Gruppe schnell zusammenwachsen ließen. Anschließend arbeiteten die Schüler*innen kreativ an den Projektlogos weiter: Die in Deutschland begonnenen Entwürfe wurden ergänzt, weiterentwickelt oder neu gedacht. Gearbeitet wurde in gemischten Gruppen aus jeweils zwei spanischen, einem portugiesischen und einem deutschen Schüler bzw. einer Schülerin – ein gelebtes Beispiel für europäische Zusammenarbeit.
Parallel dazu riefen sich alle noch einmal die Legenden der beteiligten Städte ins Gedächtnis und entschieden sich gruppenweise für eine Sage, die im weiteren Projektverlauf kreativ umgesetzt werden soll. Hierfür wurden bereits Ideen gesammelt. Von Video, über Comic bis Puppentheater ist alles dabei.
Am Mittag nahmen rund 40 Schüler*innen an verschiedenen Workshops teil: Es wurde katalanisch getanzt, gemeinsam musiziert, erste Erfahrungen im Bau von Castells (den berühmten menschlichen Türmen Kataloniens) gesammelt und eine weitere Tradition kennengelernt, die uns die gesamte Woche begleiten sollte – der Caga Tió.
Der Caga Tió ist eine katalanische Weihnachtstradition: ein Holzklotz mit Gesicht und roter Mütze, der in der Adventszeit „gefüttert“ wird. An Weihnachten wird er mit Stöcken geschlagen, während Lieder gesungen werden – und „scheidet“ dabei Geschenke aus. Diese Mischung aus Humor, Brauchtum und Gemeinschaft sorgte bei unseren Schüler*innen gleichermaßen für Verwunderung und große Belustigung.
Legenden vor Ort erleben
Am Freitag wurde erneut intensiv an den Projekten gearbeitet. Die Gruppen begründeten ihre Legendenwahl, entschieden sich für eine konkrete Umsetzungsform und planten Szenen, Dialoge, Details und Gestaltungsideen, die beim nächsten Projekttreffen in Portugal ihren finalen Schliff erhalten sollen.
Im Anschluss begaben wir uns auf eine Reise zu den Orten der Legenden selbst. Besonders eindrucksvoll war der Besuch des Port del Diable (Teufelsbrücke), um den sich eine bekannte katalanische Sage rankt. In Tarragona angekommen, tauchten wir tief in die Geschichte der Stadt ein: Wir bestaunten das römische Amphitheater, die imposante Kathedrale, das Forum, den Circus Romanus und den berühmten Mediterranen Balkon, von dem aus sich der Blick weit über das Meer öffnet.
Den Tag ließen wir gemeinsam in einem typisch katalanischen Restaurant ausklingen. Bei einem überraschenden tibetanischen Buffet genossen die Schüler*innen die lebhafte Atmosphäre, führten angeregte Gespräche und planten voller Vorfreude ihre abendlichen Aktivitäten.
Regen, Museum und Gemeinschaft
In der Nacht auf Samstag setzte starker Regen ein, der auch am Morgen nicht nachließ. Zum Glück stand ohnehin ein Museumsbesuch auf dem Programm: die Casa de la Festa, ein Museum, das die katalanische Fest- und Feierkulturzeigt. Hier erfuhren die Schüler*innen mehr über traditionelle Tänze, Musik, Kostüme, Figuren und Rituale, die Katalonien bis heute prägen. Besonders spannend war, dass sich hier auch zahlreiche Figuren wiederfinden, die in den katalanischen Legenden eine zentrale Rolle spielen – darunter mythologische Gestalten, symbolische Charaktere und überlebensgroße Figuren, die bei Festen und Umzügen zum Leben erwachen. Dadurch wurden die zuvor kennengelernten Sagen greifbar und anschaulich und erhielten eine direkte Verbindung zwischen Erzähltradition, Geschichte und gelebter Kultur.
Der geplante Ausflug zum Strand musste aufgrund des Unwetters und der Sicherheitslage leider abgesagt werden. Dennoch bewiesen die Schüler*innen große Selbstständigkeit und Kreativität: In kleinen Gruppen organisierten sie gemeinsame Treffen, Spiele und Gespräche – der Regen konnte der guten Stimmung nichts anhaben.
Auch der Sonntag blieb verregnet und wurde vollständig in den Gastfamilien verbracht, was den interkulturellen Austausch noch einmal vertiefte und viele persönliche Einblicke in den spanischen Alltag ermöglichte.
Musik, Logos und ein Stück Europa
Am Montag stand das kreative Herzstück unseres Projekts im Mittelpunkt. Die in den vergangenen Tagen gestalteten Logos wurden ausgestellt und verwandelten die Wand in eine kleine Galerie europäischer Ideen. In kurzen Präsentationen stellten die Gruppen ihre Entwürfe vor, erklärten Gedanken, Symbole und gestalterische Entscheidungen und machten deutlich, wie intensiv sie sich mit den Legenden, Kulturen und Gemeinsamkeiten der drei Länder auseinandergesetzt hatten.
Im Anschluss wurde gemeinsam über ein Gewinnerlogo abgestimmt. Dieses vereint die Flaggen der drei teilnehmenden Länder und greift jeweils ein prägnantes Element einer lokalen Legende auf. Umrahmt von den europäischen Sternen, die unser Erasmus+-Projekt symbolisch zusammenhalten, steht das Logo sinnbildlich für ein Europa der Zusammenarbeit, Kreativität und gegenseitigen Wertschätzung.
Nach dem konzentrierten Arbeiten wurde es praktisch und gesellig: Inspiriert von einer katalanischen Sage backten die Schüler*innen gemeinsam, tauschten Rezepte, Handgriffe und Geschichten aus und füllten die Schule mit dem Duft von frisch Gebackenem. Begleitet wurde der Mittag von selbstgetrommelter Musik und vielen lachenden Gesichtern.
Ein fröhliches Musikbingo bildete schließlich den Abschluss des Tages und die Schüler*innen verließen die Schule singend, erfüllt von einem Tag, der eindrucksvoll zeigte, wie kreativ, lebendig und verbindend europäischer Austausch sein kann.
Barcelona – Regen und Magie
Den Dienstag verbrachten wir in Barcelona. Trotz anhaltenden Regens ließ sich niemand die Laune verderben. Wir erkundeten besondere Orte der Stadt und begegneten ihren Legenden: der Sagrada Família mit ihrer fast mystischen Symbolik, das Gotische Viertel mit seinen engen Gassen und Geschichten aus dem Mittelalter, die Ramblas, den Hafen und die Spuren des Heiligen Georg (Sant Jordi), dessen Drachenlegende bis heute tief in der katalanischen Kultur verankert ist.
Am Abend verbrachten die Schüler*innen ihren letzten gemeinsamen Abend in den Gastfamilien – voller Gespräche, Lachen und Abschiedsmomente.
Am nächsten Morgen ging es schließlich mit vollem Gepäck und vollen Herzen zurück zum Flughafen. Die Sonne verabschiedete uns, als wolle sie uns ein letztes Mal sagen: Kommt bald wieder.
Diese Erasmus+-Reise war weit mehr als ein Austausch – sie war ein intensives Erlebnis von Gemeinschaft, Kreativität, Kultur und europäischem Miteinander, das allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.