Nach dem Auftritt der Abi Band begrüßte Herr Bischoff die Gäste und hob den Abend als ein weiteres Highlight des Schuljahres hervor.

Nach dem Auftritt der Abi Band begrüßte Herr Bischoff die Gäste und hob den Abend als ein weiteres Highlight des Schuljahres hervor.



Für den Leistungskurs Kunst stand bereits zu Beginn fest, dass die entstandenen Arbeiten am Ende in einer Werkschau präsentiert werden sollten. Auf der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsort stieß der Kurs auf die aktuelle Baustelle der Schule im Raum 0-44. Dieser ungewöhnliche Ort bot die besondere Möglichkeit, die Kunstwerke in einem noch nicht fertiggestellten, provisorischen Raum zu präsentieren.
Die Werkschau war als Pop-up-Ausstellung konzipiert und existierte nur für diesen einen Abend. Bereits am nächsten Tag musste sie wieder vollständig abgebaut sein, damit die Bauarbeiten fortgesetzt werden konnten. Gerade diese Vergänglichkeit verlieh der Ausstellung ihren besonderen und spontanen Charakter.
Unverputzte Wände, von der Decke hängende Kabel und der rohe Charakter der Baustelle bildeten einen spannenden Kontrast zu den ausgestellten Arbeiten und schufen eine außergewöhnliche Atmosphäre, in der den Besucherinnen und Besuchern eindrucksvoll die Vielfalt der künstlerischen Umsetzungsmöglichkeiten eines gemeinsamen Themas vor Augen geführt wurden. Gleichzeitig zeigte die Werkschau die unterschiedlichen Begabungen und individuellen Ausdrucksformen der Schülerinnen und Schüler, die sie auch in ihren eigenen Projekten verwirklicht konnten.
Ein besonderer Dank gilt Herrn Bischof für seinen Einsatz bei der Stadt Ettlingen, die Baustelle für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen sowie den Schülerinnen des Leistungsfaches bildende Kunst, welche diesen außergewöhnlichen Raum mit großem Engagement gemeinsam nach eigenen Vorstellungen für diesen besonderen Abend gestaltet haben
(krt/ bis)






Im Anschluss ging es dann direkt weiter im Theaterraum des AMG: Der Kurs „Literatur und Theater“ und die Big Band entführten das Publikum ins Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre.
Gezeigt wurde die Inszenierung von „Das Romanische Café“, auf die der Kurs ein Schuljahr lang hingearbeitet hatte.
Den Hintergrund bildete der historische Ort, an dem sich in den 1920er-Jahren die kulturelle Elite der Hauptstadt traf. Das Romanische Café wurde damals zu einem Symbol für das kreative und weltoffene Berlin. Die Stadt zog Künstler aus aller Welt an, und das Romanische Café war ihr Treffpunkt. An den Tischen wurde geschrieben, gestritten, gelacht philosophiert und Schach gespielt.
Hier wurden Kontakte geknüpft, Manuskripte begutachtet, Theaterprojekte geplant und Zeitungsartikel verabredet. Manche Gäste konnten sich kaum einen Kaffee leisten und saßen dennoch stundenlang an einem Tisch, weil sie Teil dieser einzigartigen Atmosphäre sein wollten.
Doch die Geschichte des Cafés spiegelt auch die Brüche des 20. Jahrhunderts wider. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verstummte das bunte Stimmengewirr zunehmend. Im Zweiten Weltkrieg trafen Bomben das Gebäude schwer. Nach Kriegsende verschwand das Romanische Café schließlich ganz aus dem Berliner Stadtbild.
Der Kurs „Literatur und Theater“ gestaltete in diesem Ambiente eine Folge von acht Szenen, die die Themen, Personen und Zeitumstände aufgriffen und mit selbst erarbeiteten und verfassten Dialogen auf die Bühne brachten.
Und ob nun die sehr kluge und schlagfertige Elisabeth Hauptmann (Maya Häge) mit einem sehr selbstgewissen Bertolt Brecht (Matti Fischer) über ihren Beitrag an seinem literarischen Erfolg diskutierte, zwei zutiefst seelenverwandte Damen (Julia Dörbecker und Elisa Marquardt) die erstaunliche Feststellung machen mussten, mit dem selben Ehemann verheiratet zu sein oder die extrovertierte Else Lasker-Schüler (Tiana Göller) und die schon etwas desillusionierte Mascha Kaléko (Helena Wenz) die unfairen Geschlechterverhältnisse bei der Veröffentlichung ihrer literarischen Werke darlegten: Ein erstes wiederkehrendes gemeinsames Thema des Abends waren die Dringlichkeit und Schwierigkeiten echter Emanzipation und Gleichberechtigung.
Bedrängend dargestellt wurde im Stück der wachsende Einfluss der Gewalt durch die Nationalsozialisten (Jonas Ockert und Leo Fritsch). Die Schauspieler zeigten eindrucksvoll, wie sie als gewalttätige Werkzeuge ideologischer Verbohrtheit in ihrer tumben Sprach- und Ideenlosigkeit allmählich immer zerstörerischer wirkten.
Ihr Unverständnis gegenüber jeglichen Formen der Kultur (Mykhailo Chukhraiev als Kunstkritiker), der Bildenden Kunst einer Hannah Höch (Raja Imhof) und einer Käthe Kollwitz (Maelle Albessard), ihre Drohkulisse gegenüber dem Wunsch zweier lebensbejahender Studentinnen (Paula Werner und Julia Pordzik) nach einer freien Gestaltung der Lebens- und Liebensverhältnisse und ihr unversöhnlicher Hass gegen alles „Undeutsche“, „Unmännliche“ und damit insbesondere das Judentum einer Lili Grün (Janina Rübel) prägte weitere Szenen des Abends.
Gut nur, dass der Oberkellner des Romanischen Cafés (Bennet Findling) den Laden den ganzen Abend über äußerst charmant und liebenswürdig im Griff hatte und sowohl mit Hilfe bei Liebeskummer, Standhaftigkeit und Mut beim Erteilen von Hausverboten für Nazis und Einfühlungsvermögen in wirklich jeden und jede seiner Gäste zum Mittelpunkt des Geschehens wurde.






Gut auch, dass die beiden umwerfenden Fabrikarbeiterinnen (Tamina Scherer und Isabel Kapell) beim abschließenden proletarischen Kehraus noch einmal angesichts der intellektuellen Elite im Café auf die realen Arbeitsverhältnisse der Zeit hinwiesen: „Sie brauchen uns. Mehr als wir sie. Wenn wir morgen nicht kommen, steht alles still. Die Maschinen. Die Fabriken. Die Stadt. Vielleicht sogar das Café. Ihr diskutiert? Wir entscheiden!“
Dass der Abend unterhaltsam und ernsthaft zugleich war und es gelang, den übervollen Saal eine gute Stunde lang zu fesseln, lag natürlich auch am Zusammenspiel zwischen Theater und Big Band, die dieses Jahr ein Gemeinschaftsprojekt angegangen waren.
Immer wieder wechselten sich das Geschehen auf der Bühne mit der Live-Musik von der anderen Saalseite her ab. Das Publikum wurde sozusagen in die Zange genommen und konnte dabei eintauchen in ein theatralisch-musikalisches Gesamterlebnis. Stücke wie „Mood Indigo“, „Summertime“ oder „I Don’t Mean a Thing“ fesselten das Publikum und erzeugten eine Atmosphäre, die den Abend musikalisch trug und auch den Schlussakkord setzte.
Ein kurzer Auftritt der Vokal-AG mit „Bei mir bist du schein“ auf der Bühne verflocht dann vollends das Theaterspiel mit der Musik.
Großer Applaus, beeindruckte Zuschauer und Zuhörer und ein für alle Beteiligten rundum gelungenes Kulturerlebnis am AMG, das Bildende Kunst, Musik und Theater zusammenbrachte, krönten so die künstlerische Arbeit am AMG zum Schuljahresende.
(söf)


